Highlining – Das Seil über dem Abgrund

Gepostet von am Mai 27, 2014 in Outdoor Klettern | Keine Kommentare

Highlining – Das Seil über dem Abgrund

Für den ultimativen Adrenalinkick sorgt die Trendsportart Highlining. Balancieren auf einem Schlauchband in schwindelerregenden Höhen, nur durch ein einfacheres Seil oder einen Fallschirm gesichert, das ist ein Sport für die ganz Harten! Highlining erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Körperbeherrschung, während man ruhig über das Schlauchband schwebt – unten drunter der tiefe Abgrund. Ob über Felsenschluchten oder zwischen zwei Wolkenkratzern – Abgrund bleibt Abgrund, und dieser kann bis zu 1.000 Meter in die Tiefe gehen.

Wie entstand Highlining?

Highlining ist eine Teildisziplin des Slacklining. Slacklining weist deutliche Parallelen zum Seiltanzen auf und ist wohl am ehesten damit vergleichbar. Allerdings besteht das „Seil“ beim Slacklinen nicht aus Draht wie beim Seiltanzen, sondern es ist ein Schlauchband oder ein Gurtband und weniger straff gespannt. Das Highlining ist die Disziplin im Slacklining, bei der das Band nicht nur zwischen zwei Bäumen gespannt wird, sondern mindestens in einigen Metern Höhe. Nach oben sind theoretisch keine Grenzen gesetzt, die höchsten Highlines werden jedoch in einer Höhe von etwa 1.000 Metern festgemacht. Entstanden ist das Slacklining schon in den 1960er Jahren unter den Freikletterern im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien, die sich an Regen- oder Ruhetagen die Zeit damit vertrieben, auf Absperrseilen von Parkplätzen zu balancieren. Das Highlining entwickelte sich Anfang der 1980er Jahre daraus. Als Pioniere in den USA gelten Adam Grosowsky und Jeff Ellington. Erst ab der Jahrtausendwende verbreiteten sich Slacklining und Highlining in andere Klettergebiete sowie außerhalb der Kletterszene. Der österreichische Extremkletterer Heinz Zak gilt in Europa als Pionier des Slacklining, der diesen Sport aus dem Yosemite-Nationalpark in die europäische Szene brachte.

Befestigung und Sicherung beim Highlining

Die erste Hürde, die überwunden werden muss, ist die Befestigung des Schlauchbandes. Für ein Highlining-Abenteuer werden mindestens zwei Personen benötigt, die das Seil spannen müssen. Dafür bleibt mindestens eine Person auf der Hauptseite stehen, während die anderen sich wieder vom Berg abseilen oder den Wolkenkratzer verlassen und auf der gegenüberliegenden Seite wieder aufsteigen. Das Band wird dann beidseitig mit Umlenkrollen und Blockern straff gezogen. Dabei wird pro Seite mindestens ein BackUp, also eine weitere Befestigung genutzt, damit die Line ihre Spannung nicht verliert, sollte sich mal eine der Befestigungen lösen. Die Herausforderung ist extrem: Der Sportler muss sowohl psychisch als auch physisch den Anforderungen gerecht werden. Denn unter ihm wird sich gleich nicht mehr als ein schmales Band und ein tiefer Abgrund befinden. Gesichert wird der Highliner in der Regel durch ein Fallseil, das an seinem Klettergurt hängt und mit der Haupt-Line oder einer darunterliegenden Zweit-Line verbunden wird. Andere Highliner begehen das Band nur mit einem Minifallschirm ausgerüstet. Wieder andere Sportler begehen die Highline ganz ohne Sicherung. Dies ist jedoch wenig empfehlenswert.

Übungsmöglichkeiten und körperliche Voraussetzungen für das Highlining

Grundsätzlich gilt, so verlockend es auch sein mag, dass man nicht direkt ohne Vorkenntnisse mit dem Highlining beginnen sollte. Erste Erfahrungen in dieser Sportart sammelt man am besten auf der niedrigeren Slackline, die man in fast jedem Park oder sogar im eigenen Garten zwischen zwei Bäumen spannen kann. Begonnen werden sollte in Bodennähe, damit beim Absturz möglichst nichts passiert. Körperliche Voraussetzungen gibt es kaum, die Sportart kann generell von Menschen jeder Altersgruppe erlernt werden. Eine gewisse Sportlichkeit und Lust an der Bewegung sind durchaus vorteilhaft, aber keine zwingend notwendige Voraussetzung. Slacklining und Highlining können von Frauen und Männern gleichermaßen ausgeübt werden. Wer noch nie auf einer Slackline balanciert ist, kann dies gut gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin üben, um sich gegenseitig zu stützen und Hilfestellung zu geben. Wer sich sicher fühlt auf der bodennahen Slackline kann zunächst versuchen, die Höhe des Bandes zwischen den Bäumen zu erhöhen. Der nächste Schritt ist dann tatsächlich das Balancieren auf einer Highline. Viele der Highlining-Spots liegen in Klettergebieten, da die Anfänge der Sportart aus dem Klettern entstanden sind. In den Canyons um Moab, Utah, USA gibt es einige etablierte Highlining-Strecken. Auf einer dieser Strecken, auf „The Great Bongzilla“, hat Andy Lewis 2011 den Rekord der längsten sicherungslosen Solotour (54 Meter lang, 61 Meter hoch) aufgestellt. Im „Hell Roaring Canyon“ ebenfalls in Moab ging Dean Potter über eine 274 Meter hohe Highline. Er fiel allerdings hinunter, sein Fallschirm rettete ihm das Leben. Auch im Joshua Tree National Park in Los Angeles gibt es viele Highline-Strecken, die in der Regel etwa 61 Meter hoch sind. Auch in europäischen Ländern wie Frankreich und Spanien gibt es bereits etablierte Highline-Strecken. In Deutschland hat sich diese Sportart noch nicht so stark ausgebreitet.

Das Equipment für das Highlining

Der wichtigste Teil der Ausrüstung für das Highlining ist das Band. Am Anfang sollte es eher etwas breiter (ca. 5 cm) gewählt werden, später kann es immer schmaler werden. In den normalen Slackline-Sets sind ein Band, ein Befestigungssystem (Ratsche oder Flaschenzug) sowie ein Baumschutz enthalten. Für das Highlining benötigt man zusätzliche Befestigungs- und Spannsysteme sowie Sicherungen gegen das Hinunterfallen. Hier bieten sich immer noch die Kletterausrüstungen an: Ein Klettergurt, ein Karabiner sowie ein Extraseil. Bezüglich der Kleidung gibt es wenig zu beachten: Normale Outdoor-Sportkleidung, die bequem und bewegungsfreundlich sowie der Witterung angepasst ist, reicht aus. Am schönsten und einfachsten sind Slacklining oder Highlining, wenn man die Sportart barfuß betreibt. Lassen Witterung oder, beim niedrigeren Slacklining, der Untergrund dies nicht zu, empfehlen sich Schuhe mit dünnerer, flexibler Sohle.

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